{"id":328,"date":"2017-02-25T12:57:02","date_gmt":"2017-02-25T11:57:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hirsche.eu\/alexander\/index.php\/2017\/02\/25\/to-accept-the-things-i-cannot-change\/"},"modified":"2017-02-26T14:23:37","modified_gmt":"2017-02-26T13:23:37","slug":"to-accept-the-things-i-cannot-change","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hirsche.eu\/alexander\/2017\/02\/25\/to-accept-the-things-i-cannot-change\/","title":{"rendered":"&#8222;To accept the things I cannot change &#8230;&#8220;?"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht \u00e4ndern kann, den Mut, Dinge zu \u00e4ndern, die ich \u00e4ndern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Irgendwer hat in unserem Warehouse ein Poster mit diesem &#8222;Serenity Prayer&#8220; des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr aufgeh\u00e4ngt (und irgendein Scherzkeks hat den letzten Teil &#8222;&#8230;and wisdom to know the difference&#8220; mit Filzstift erg\u00e4nzt: &#8222;&#8230;between Mars and Snickers&#8220;). F\u00fcr mich so ein Standardspruch, den ich gar nicht mehr richtig wahrnehme &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; bis eine unserer Langzeit-Volunteers vor ein paar Tagen das Poster kommentierte: &#8222;Fr\u00fcher fand ich diesen Spruch richtig gut &#8211; inzwischen hasse ich ihn! Ich will die Dinge nicht hinnehmen!&#8220;<\/p>\n<p>Das waren nicht die Worte eines trotzigen Teenagers, hier sprach eine Frau, die ihr ganzes bisheriges Leben f\u00fcr die Schw\u00e4chsten eingesetzt hat, in ihrer schottischen Heimat, in Ruanda nach dem Genozid und \u00fcber ein Jahr auf Chios &#8211; <i>to name a few.<\/i> Ich meine, jemand, der etwas zu sagen hat.<\/p>\n<p>Also, wer hat recht? Reinhold aus Missouri oder Frances aus Schottland? Beide nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>Niemand ist gezwungen, immer wieder gegen die gleiche T\u00fcr &#8211; oder Wand &#8211; anzurennen. &#8222;Hinnehmen, was ich nicht \u00e4ndern kann&#8220;, kann hei\u00dfen: Ich gebe mich nicht dem pubert\u00e4ren Zorn dar\u00fcber hin, dass die Welt so ist, wie sie ist &#8211; und nicht, wie ich sie gerne h\u00e4tte. Menschen, Kulturen, Ideen sind verschieden. Die Welt ist komplex. Ignoranz und Ungerechtigkeit, Dummheit und Bosheit sind real und werden nicht verschwinden, bis der Herr wiederkommt. Und mein Einflussbereich ist begrenzt: Die Gefl\u00fcchteten auf Chios sind Opfer von Krieg und Elend in ihrer Heimat, sie sind Opfer skrupelloser Schlepper, sie sind Opfer einer zutiefst ungerechten und erniedrigenden Abschottungspolitik. Und wir Volunteers bringen Tee und freuen uns, wenn wir genug Hosen in der richtigen Gr\u00f6\u00dfe zum Verteilen haben. Das kann einen schon in den Wahnsinn treiben oder wenigstens in den Abgrund des Sarkasmus. Das &#8222;Serenity Prayer&#8220; kann ein Schutz dagegen sein. Es kann uns auch davor bewahren, dass uns das Elend der Welt so sehr l\u00e4hmt, dass wir den vermeintlich kleinen Beitrag vers\u00e4umen, den wir tats\u00e4chlich leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber das alles brauche ich eigentlich einer Frau nicht zu erkl\u00e4ren, die in Ruanda gearbeitet hat. Ich glaube, es geht um etwas anderes:<\/p>\n<p>&#8222;Akzeptieren&#8220; hei\u00dft recht verstanden wohl: Ich lasse mich vom Status Quo nicht zerst\u00f6ren. Ich lasse mich nicht l\u00e4hmen. Die andere Gefahr besteht aber darin, dass ich mich an den Status Quo gew\u00f6hne, denn &#8222;das ist eben so&#8220;. In einer Predigt habe ich neulich davor gewarnt, unseren erlebten Durchschnitt mit der &#8222;Normalit\u00e4t&#8220; zu verwechseln. Wenn Leute von &#8222;normal&#8220; reden, m\u00fcssen wir sofort fragen: nach welcher Norm? Und sind wir bereit, diese Norm zu akzeptieren? Der Weg, den Fl\u00fcchtlinge nach Europa nehmen m\u00fcssen, ist lwbensgef\u00e4hrlich &#8211; das ist im Durchschnitt so, aber ich weigere mich, das als normal anzusehen.<\/p>\n<p>K\u00fcrzlich wurde ich gefragt, wie sich mein Denken und Glauben durch meine Eins\u00e4tze auf Chios ge\u00e4ndert hat. Was habe ich gelernt? Meine Antwort: Schmerz und Zorn \u00fcber Elend und Umgerechtigkeit. Vorher war ich wohl nicht ignorant, aber ziemlich abgekl\u00e4rt: Die Welt ist eben so, bis Jesus kommt, Gefallene Sch\u00f6pfung, S\u00fcnder allzumal. Da ist so, aber Gott hat mit Tr\u00e4nen dar\u00fcber geschenkt. Eine Unruhe, die in diesem Sinn eben nicht akzeptiert. Die den Status Quo als aktuellen Stand zur Kenntnis nimmt, aber nicht bereit ist, dabei stehen zu bleiben.<\/p>\n<p>Und ich sehe mich damit in ganz guter Gesellschaft. Da ist nicht nur Frances, meine schottische Teamkollegin. Da ist auch mein Herr, der \u00fcber die harten Herzen weinte, auf die er in seiner Stadt Jerusalem stie\u00df. Obwohl er nun wirklich keine Illusionen \u00fcber seine Mitmenschen hatte.<\/p>\n<p>In diesem Sinn mache ich weiter. Mit Entschlossenheit. Und Im Gedenken an William Booth, den Gr\u00fcnder der Heilsarmee. Als ein Mitarbeiter ihm klagte, die Arbeit seit \u00fcber schwer und far nicht zu schaffen, soll er geantwortet haben: &#8222;Versuchen Sie&#8217;s mit Tr\u00e4nen.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bygone-todays.com\/wp-content\/uploads\/William-Wilberforce.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large\" src=\"http:\/\/www.bygone-todays.com\/wp-content\/uploads\/William-Wilberforce.jpg\" width=\"810\" height=\"250\" \/><\/a>Ein letzter Gedanke: &#8222;Die Dinge, die ich nicht \u00e4ndern kann&#8220; &#8211; woher wei\u00df ich, welche das sind? Gerade lese ich die Biografie von William Wilberforce, der im Britischen Weltreich die Abschaffung des Sklavenhandels durchsetzte. Als er seinen Kampf begann, wurde er ausgelacht, als wollte er den Nebel in England abschaffen. Drei\u00dfig Jahre lang kassierte er eine Niederlage nach der anderen.<\/p>\n<p>Gott sei Dank akzeptierte er die Dinge nicht, die er lange nicht \u00e4ndern konnte.<\/p>\n<p>Woher wei\u00df ich den Unterschied? Daf\u00fcr brauche ich dann wohl Weisheit &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht \u00e4ndern kann, den Mut, Dinge zu \u00e4ndern, die ich \u00e4ndern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. 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